Raum für reale Erfahrungen z. B.

„Der Lehmbau“

Ein langer Tisch, darauf ein Haufen mit Lehm. Der Lehm ist hellbraun und duftend – eine Einladung ihn anzufassen. Man kann die Hand eintauchen, Klumpen ertasten und zwischen den Fingern zerbröseln. Den Duft einziehen. Ein Erlebnis für die Sinne, aber auch ein Stück Arbeit – Lehmbau. Strohlehm soll hergestellt werden: auf dem Tisch steht ein Eimer mit Strohhäksel der mit dem Lehm vermischt und dann durchgeknetet werden soll. Bis alle Teilnehmer der heutigen Gruppe im Arbeitsprozess eintauchen, gibt es einiges zu erklären. Doch es versteht sich eigentlich von selbst: diese Strohlehmmenge kann man nicht mehr mit der Hand durchkneten, es muss mit den Füßen in einer großen Wanne gemacht werden.

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Was für uns wie eine ganz alltägliche Situation wirkt, birgt pädagogisch betrachtet umfassende elementare Erlebnisse. Hier am Beispiel einer Lehmbautätigkeit lässt sich exemplarisch verdeutlichen, was der Verein als Ziel bei der Förderung und Vermittlung traditioneller Handwerks- und Kulturtechniken verfolgt.                 

Arbeiten im Garten oder im Handwerk ist eben nicht nur lebensnah, sondern sie IST Leben. Durch das Leben in der „modernen“ Gesellschaft nehmen die Möglichkeiten für Primärerfahrung immer weiter ab. Kinder und Jugendliche jeder Gesellschaftsschicht und jeden Wohnortes (auch Kinder vom Land) teilen dieses Schicksal. Ebenso kennen viele Kinder und Jugendliche heute körperlich anstrengende Tätigkeiten nicht mehr oder nur aus dem Sport- oder Freizeitbereich. Gerade hier setzt unser Erlebensangebot im Garten und Handwerk an. Das Erleben der eigenen körperlichen Kraft und das Einsetzen dieser Kraft für eine Arbeit schafft ein Gefühl des Sinnhaften.

Sich selbst als produktiv zu erleben, gehört zu den grundlegenden Erlebnissen, die für die Entwicklung eines Menschen bedeutsam sind. Gerade das Leben in und mit der Natur ist wichtig für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Draußen in der Natur zu sein wirkt harmonisierend. Man hat in der Natur zudem viel eher Möglichkeiten Kindern und Jugendlichen überschaubare Zusammenhänge anzubieten, innerhalb derer sie sich orientieren können. Kinder, die die Welt “ be-greifen “ konnten, haben beispielsweise auch wesentlich bessere Aussichten, mit Lerninhalten zurechtzukommen, wenn sie ihnen später über elektronische Medien vermittelt werden. Der PC kann jedoch Erlebenserfahrung und Lebenserfahrung keineswegs ersetzen.

Erlebenserfahrung und Lebenserfahrung sind die Voraussetzung für einen nachhaltigen, über den Computer vermittelten Wissenserwerb und die damit verbundene Kommunikationsfähigkeit. Kindern und Jugendlichen die Welt begreifbar – mit allen Sinnen erlebbar und damit verstehbar – zu machen ist gerade in einem Zeitalter notwendig, in dem sich sowohl gesellschaftliche als auch ökologische Rahmenbedingungen des Kindseins gravierend verändern und leider nur selten zum Wohl der Kinder und Jugendlichen.